Zum 75. Todestag
Dietrich Bonhoeffer
Er zahlte den höchsten Preis für teure Gnade
Einer der bekanntesten Märtyrer des 20. Jahrhunderts starb am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg. Zum 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers möchten wir sein Vermächtnis feiern – seinen handelnden Glauben ebenso wie sein theologisches Werk.
1906–24
Kindheit
Dietrich Bonhoeffer und seine Zwillingsschwester Sabine wurden am 4. Februar 1906 als 6. und 7. von 8 Kindern geboren. Einen Großteil seiner Kindheit verbrachte er in Berlin, wo sein Vater an der Universität lehrte. Bonhoeffer wurde christlich erzogen, auch wenn die Familie nicht oft in den Gottesdienst ging. Ausgelöst durch den Tod seines Bruders im ersten Krieg, begann sich der junge Dietrich für die Theologie zu interessieren.
1924–28
Theologiestudium
An der Berliner Universität wurde Bonhoeffer von Adolf von Harnack und Karl Barth beeinflusst. Er befasste sich intensiv mit den Werken Martin Luthers, Friedrich Schleiermachers und vieler anderer. Mit 21 Jahren promovierte er unter Reinhold Seeberg mit der Arbeit “Sanctorum Communio” (“Gemeinschaft der Heiligen”). Hier finden sich erste Einblicke in sein Verständnis der Kirche sowie Gottes Selbstoffenbarung.
1928–31
Vikariat und weitere Studien
Nach dem ersten theologischen Examen verbrachte Bonhoeffer ein Jahr als Vikar in Barcelona. 1929 kehrte er nach Berlin zurück, um seine Ausbildung mit Habilitation und Ordination abzuschließen.
Nach dem Zweiten Examen ging er ein Jahr als Stipendiat an das New Yorker “Union Theological Seminary”, wo er mit der Diskriminierung der Afro-Amerikaner konfrontiert wurde. Er sah den Rassismus als eine gesellschaftliche Frage, die Amerika zu lösen hatte. Bonhoeffer entdeckte hier nicht nur die schwarze Kirchenmusik für sich, sondern auch die Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Es war eine Zeit, in der dieselben Fragen auch in Deutschland eine zunehmende Rolle zu spielen begannen. Wenige Jahre vor der Machtergreifung hatte der Nationalsozialismus bereits stark an Bedeutung gewonnen. Bonhoeffers Interesse für Pazifismus und Politik mussten im zunehmen antisemitischen Klima der deutschen Gesellschaft früher oder später zu Reibungen führen.
“ ”
Billige Gnade ist Predigt der Vergebung ohne Buße, ist Taufe ohne Gemeindezucht, ist Abendmahl ohne Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den lebendigen, menschgewordenen Jesus Christus.
1931–35
Ökumene und Kritik an der Machtergreifung
1931 kehrte Bonhoeffer zurück und begann, als Assistent Wilhelm Lütgerts Systematische Theologie zu lehren. Im November wurde er zum Pfarrer ordiniert.
Als Internationaler Jugendsekretär des ökumenischen Weltbunds für Freundschaftsarbeit der Kirchen machte Bonhoeffer erste Erfahrungen mit der Ökumenischen Bewegung. Dieses Thema von Einheit wurde zu einer lebenslangen Leidenschaft, in einer Zeit als sich die nationalistische Spannungen in Deutschland und weltweit zuspitzten.
Hitlers Herrschaft ab 1933 stand Bonhoeffer von Anfang an kritisch gegenüber. Er gehörte zu den ersten, die den christlichen Glauben der Rassenideologie kritisch gegenüberstellten. Die nationalsozialistische Ideologie übte unter Christen dennoch großen Einfluss aus, auch weil sie von einigen einflussreichen Theologen geduldet wurde.
Als die nationalsozialistische Bewegung der deutschen Christen die Macht in den Kirchen übernahm, sah sich Bonhoeffer in vieler Hinsicht auf einsamem Posten. So entschied er sich Ende 1933 zu einer Auslandspfarrstelle in London um Abstand zu gewinnen. Von hier aus setzte er sich für die 1934 gegründete Bekennende Kirche ein
1935–40
Predigerausbildung in Finkenwalde
Dem Zureden Karl Barths ist es zu verdanken, dass Bonhoeffer 1935 nach Deutschland zurückkehrte. Er wusste um den Ernst der Lage und dass die Bekennende Kirche eine Verantwortung hatte, sich gegen die nationalsozialistischen Ideologie zu stellen. Nach seiner Rückkehr übernahm er die Leitung des neuen Predigerseminars der Bekennenden Kirche (zuerst in Zingst, dann in Finkenwalde).
Für die Gemeinschaft der Christen im Predigerseminar diente die Bergpredigt als Vorbild. Von Finkenwalde geprägt sind die Bonhoeffer-Bücher “Gemeinsames Leben” (1939) und “Nachfolge” (1937), die zu dieser Zeit entstanden.
Nach zwei Jahren wurde das Predigerseminar vom Regime verboten. Aber Bonhoeffer löste die Gemeinschaft nicht auf, sondern lehrte an verschiedenen Orten im Untergrund bis 1940 weiter.
1940–43
Widerstand
Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs ging die Arbeit der Bekennenden Kirche weiter, wenn auch unter verschärften Bedingungen. Das Regime zensierte Bonhoeffers Werke und verbot ihm öffentliche Auftritte, Predigten oder Veröffentlichungen. Nach außen hin leistete der Theologe folge, blieb jedoch weiter im Untergrund aktiv. Er nutzte seine Position und internationalen Verbindungen, um zunächst in der Ökumenischen Bewegung gegen die Nazis zu arbeiten. Später engagierte er sich im Widerstand, wo er seine Kontakte für Verhandlungen mit den Alliierten einsetzen sollte.
Zu dieser Zeit schrieb er seine unvollendete “Ethik”. Darin zeichnet er ein Bild von christlicher Gemeinschaft und kulturellem Engagement, befasst sich aber auch mit der Frage des Tyrannenmords.
“ ”
Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.
1943–45
Verhaftung und Tod
Bonhoeffer und seine Freunde wussten, dass sie eines Tages den Preis für ihren Widerstand gegen Hitlers Regime zahlen würden. Doch Untätigkeit war für Bonhoeffer keine Option.
Nach mehreren erfolglosen Attentaten auf Hitler wurde 1943 auch Bonhoeffer verhaftet. Seine Rolle im Widerstand konnte man ihm allerdings bis nach dem Anschlag vom 20. Juli 1944 nicht nachweisen. Den Großteil dieser Haftjahre verbrachte er in Tegel, wurde später aber ins KZ Buchenwald und schließlich nach Flossenbürg verlegt.
Zu dieser Zeit schrieb Bonhoeffer viele Briefe an seine Familie, Freunde und seine Verlobte Maria von Wedemeyer. Diese Briefe sind gesammelt unter dem Titel “Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft” erschienen.
Am 5. April 1945 ordnete Hitler die Hinrichtung aller Verschwörer vom Attentat des 20. Juli an. Zu diesen zählten die Nazis auch Dietrich Bonhoeffer. Er wurde am 9. April im KZ Flossenbürg hingerichtet – nur drei Wochen vor Hitlers Selbstmord und vier Wochen vor Kriegsende.
1945 bis heute
Vermächtnis
Bonhoeffer gilt als einer der wichtigsten Märtyrer der Neuzeit. Dabei hätte er sich selbst wohl gegen die Bezeichnung als Märtyrer gesträubt. Er sah keinen Unterschied zwischen seinem persönlichen Leid und dem Leid, das andere im Krieg erlitten.
Bonhoeffers unermüdliches Einstehen für seinen Glauben hat Christen auf der ganzen Welt dazu inspiriert, Anfeindungen standzuhalten. Dr. Martin Luther King Jr. und die US-Bürgerrechtsbewegung waren von Bonhoeffers Modell eines gewaltlosen kulturellen Engagements geprägt. Christen in China sehen in Bonhoeffer ein Vorbild, wie Gemeinden in der Verfolgung zusammenhalten können.
Bonhoeffers Vermächtnis dauert an. Sein Leben, Werk und seine Mission haben nichts von ihrer Relevanz verloren. Noch heute können wir von Bonhoeffer lernen, was Gemeinschaft und kulturelles Engagement bedeuten. Noch heute kann seine Standhaftigkeit als Vorbild im Umgang mit Unrecht dienen.
Im Angebot: Widerstand und Ergebung
Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft
Bonhoeffers Briefe und Aufzeichnungen sind ein privates Dokument von größter zeitgeschichtlicher Bedeutung. Das Buch enthält die an den Theologen, Freund und späteren Biografen Eberhard Bethge gerichteten Briefe. Nach der Lektüre dieses Buches ist ein Christentum nicht mehr möglich, das sich nicht zu engagieren weiß.
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